Kosten und Angebote
Effektivzins beim Firmenkredit: Was wirklich zählt
Beim Firmenkredit gelten die Verbraucher-Regeln zum Effektivzins meist nicht. So lesen Sie Faktor, Sollzins und Gesamtkosten und vergleichen Angebote fair.
Veröffentlicht am 2. Oktober 2026 · aktualisiert am 2. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Kurz beantwortet
Den gesetzlichen effektiven Jahreszins nach Preisangabenverordnung müssen Anbieter nur gegenüber Verbrauchern nennen. Bei Krediten für Unternehmen gilt diese Pflicht in der Regel nicht, deshalb arbeiten Angebote oft mit Faktor, Sollzins oder Gebühren. Vergleichbar werden sie erst über die Gesamtrückzahlung, die Laufzeit und die Auszahlung. Rechnen Sie jedes Angebot selbst auf einen Jahressatz um.
Das Wichtigste
- Die Pflicht zur Angabe des effektiven Jahreszinses nach PAngV betrifft Verbraucherdarlehen, nicht Firmenkredite.
- Ein Firmenkredit-Angebot kann Faktor, Sollzins oder feste Gebühr nennen; ein einheitliches Format ist nicht vorgeschrieben.
- Der Faktor sagt für sich nichts über den Jahressatz: Derselbe Faktor ist bei kurzer Laufzeit teurer als bei langer.
- Vergleichbar sind Angebote über Auszahlungsbetrag, Gesamtrückzahlung, Laufzeit und Ratenplan.
- Was der Kredit kostet, steht im Angebot des Finanzierungspartners, nicht in der Anfrage.
Gilt die Preisangabenverordnung für Firmenkredite?
In der Regel nicht. § 1 PAngV regelt die Angabe von Preisen für Waren oder Leistungen von Unternehmern gegenüber Verbrauchern. Für Verbraucherdarlehen schreibt § 16 PAngV vor, als Preis die Gesamtkosten als jährlichen Prozentsatz des Nettodarlehensbetrags anzugeben. Das ist der effektive Jahreszins, den Sie von Privatkrediten kennen.
Ein Verbraucherdarlehen liegt nach § 491 BGB vor, wenn ein Unternehmer als Darlehensgeber einem Verbraucher als Darlehensnehmer ein entgeltliches Darlehen gewährt. Wer einen Kredit für sein Unternehmen aufnimmt, handelt in aller Regel als Unternehmer und nicht als Verbraucher. Die Vorschriften zum Verbraucherdarlehen und damit die Pflichtangabe greifen dann nicht.
Eine Ausnahme betrifft Existenzgründer. § 513 BGB erstreckt die Verbraucherregeln auf natürliche Personen, die ein Darlehen für die Aufnahme einer gewerblichen oder selbstständigen Tätigkeit nehmen, es sei denn, der Nettodarlehensbetrag übersteigt 75.000 Euro. Für Betriebe, die bereits laufen, spielt das kaum eine Rolle. Im Zweifel klärt eine rechtliche Beratung den Einzelfall.
Was misst ein effektiver Jahreszins überhaupt?
Der Sollzins nennt nur den Zinssatz auf die ausstehende Schuld. Der effektive Jahreszins rechnet zusätzlich Gebühren und Nebenkosten ein, sofern sie zum Kredit gehören. Er drückt alle Zahlungen als einen jährlichen Prozentsatz aus. Technisch ist das der Satz, bei dem der Barwert aller Raten genau dem Auszahlungsbetrag entspricht.
Der Wert hat einen Vorteil: Er macht Angebote mit unterschiedlichen Gebühren und Laufzeiten vergleichbar. Er hat auch Grenzen. Wenn eine Bearbeitungsgebühr, ein Disagio oder eine Restschuldversicherung nicht eingerechnet sind, wirkt der Kredit billiger, als er ist. Bei Firmenkrediten entscheidet der Anbieter, was er einrechnet. Fragen Sie deshalb immer nach der Summe, die Sie insgesamt zurückzahlen.
Wie vergleiche ich einen Monatsfaktor mit einem Jahressatz?
Manche Angebote für Firmen nennen statt eines Zinssatzes einen Faktor. Ein Faktor von 1,10 bedeutet: Sie zahlen für jeden ausgezahlten Euro 1,10 Euro zurück. Der Aufschlag beträgt dann 10 Prozent der Auszahlung, unabhängig davon, wie lange der Kredit läuft.
Genau das macht den Faktor allein irreführend. Wird die Summe in einem Jahr in gleichen Monatsraten getilgt, ist die durchschnittliche Restschuld nur etwa halb so hoch wie der Auszahlungsbetrag. Der Aufschlag wird also auf eine kleine Schuld bezogen, und der Jahressatz fällt deutlich höher aus als der Aufschlag. Bei längerer Laufzeit sinkt der Jahressatz bei gleichem Faktor stark.
Das Rechenbeispiel zeigt es für denselben Faktor bei vier Laufzeiten. Es ist ein Beispiel zur Veranschaulichung, kein Angebot und kein Hinweis auf übliche Konditionen. Berechnet wurde der Jahressatz nach der Barwertmethode mit gleichen Monatsraten.
| Laufzeit | Monatsrate | Aufschlag je Jahr (einfach) | Jahressatz (gerundet) |
|---|---|---|---|
| 6 Monate | 9.167 € | 20 % | rund 39 % |
| 12 Monate | 4.583 € | 10 % | rund 19,5 % |
| 24 Monate | 2.292 € | 5 % | rund 9,7 % |
| 36 Monate | 1.528 € | 3,3 % | rund 6,5 % |
Welche Kosten gehören in den Vergleich?
Ein fairer Vergleich zählt alle Zahlungen, die wegen des Kredits anfallen. Rechnen Sie nicht nur mit dem Zinssatz, sondern mit dem, was tatsächlich fließt: Was kommt auf Ihr Konto, was geht in Raten und Gebühren ab, und wann?
Auch Kosten außerhalb des Zinssatzes gehören dazu, etwa eine Bearbeitungsgebühr, eine Bereitstellungsprovision oder eine Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Rückzahlung. Wie eine Bank solche Posten ausweist, ist bei Firmenkrediten nicht einheitlich geregelt. Mehr dazu im Ratgeber Kreditangebot prüfen.
- Auszahlungsbetrag: Wird er um Gebühren gekürzt, bevor das Geld ankommt?
- Gesamtrückzahlung in Euro über die ganze Laufzeit
- Laufzeit und Höhe jeder einzelnen Rate
- Einmalige Gebühren wie Bearbeitung oder Bereitstellung
- Regeln für Sondertilgung und vorzeitige Rückzahlung
- Ob Sicherheiten oder Bürgschaften zusätzliche Kosten auslösen
Wie vergleiche ich zwei Angebote Schritt für Schritt?
Bringen Sie jedes Angebot auf dieselbe Basis. Notieren Sie Auszahlungsbetrag, alle Raten und alle Gebühren. Ziehen Sie vom Gesamtbetrag der Rückzahlung den Auszahlungsbetrag ab. Das ist der absolute Preis des Kredits in Euro. Teilen Sie ihn durch den Auszahlungsbetrag, erhalten Sie den Aufschlag.
Dann bringen Sie die Laufzeit ins Spiel: Gleicher Aufschlag bei halber Laufzeit bedeutet etwa den doppelten Jahressatz. Ein Tabellenkalkulationsprogramm liefert mit der Funktion für den internen Zinsfuß bei Monatsraten den Monatszins, den Jahressatz erhalten Sie mit (1 + Monatszins)^12 − 1. Prüfen Sie zuletzt, ob die Rate zu Ihrem Cashflow passt. Dabei hilft der Ratgeber Liquiditätskredit.
Hinweis zu Vionor: Vionor vergibt selbst keine Kredite. Die Anfrage ist kostenlos, Konditionen nennt der Finanzierungspartner in seinem Angebot. Dort sehen Sie, was der Kredit kostet. Rechnen Sie das Angebot dann nach dem beschriebenen Muster nach.
Worauf sollten Sie bei Sollzins, Gebühren und Rate achten?
Ein niedriger Sollzins sagt wenig, wenn der Auszahlungsbetrag durch Gebühren sinkt. Wird zum Beispiel ein Teil der Kreditsumme als Bearbeitungsgebühr einbehalten, zahlen Sie Raten auf einen Betrag, den Sie nie erhalten haben. Der tatsächliche Jahressatz liegt dann über dem Sollzins. Vergleichen Sie deshalb den Betrag, der auf Ihrem Konto ankommt, mit der Summe aller Raten.
Auch die Art der Rückzahlung verändert die Kosten. Bei gleichen Raten sinkt die Restschuld mit jeder Zahlung. Bei einer endfälligen Tilgung bleibt die Schuld bis zum Ende gleich hoch, und die Kosten fallen entsprechend höher aus. Fragen Sie nach dem vollständigen Zahlungsplan und prüfen Sie, ob Sondertilgungen ohne Zusatzkosten möglich sind.
Prüfen Sie zuletzt die Tragfähigkeit: Die Rate sollte aus dem laufenden Ergebnis bezahlbar sein, ohne den Betrieb zu überlasten. Ein günstiger Jahressatz nützt nichts, wenn die Rate die Liquidität dauerhaft aufzehrt.
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung automatisch auf unsere redaktionellen Regeln geprüft: keine Zinsversprechen, keine Zusagen, nur geprüfte Quellen. Allgemeine Orientierung. Eine individuelle betriebswirtschaftliche, rechtliche oder steuerliche Beratung kann dieser Ratgeber nicht ersetzen.
FAQ
Häufige Fragen
Was Unternehmen zu diesem Thema am häufigsten fragen, kurz beantwortet.
Ihre Frage ist nicht dabei?
Schreiben Sie uns. Es antwortet die Person, die auch Ihre Anfrage bearbeitet.
E-Mail schreibenMuss mir ein Anbieter beim Firmenkredit den Effektivzins nennen?
Nicht aufgrund der Preisangabenverordnung. Sie regelt Preisangaben gegenüber Verbrauchern, und die Pflicht zum effektiven Jahreszins gilt für Verbraucherdarlehen. Bei Krediten für Unternehmen können Anbieter Faktor, Sollzins oder Gebühren nennen. Fragen Sie deshalb nach der Gesamtrückzahlung in Euro.
Wie rechne ich einen Faktor in einen Jahressatz um?
Der Aufschlag ist der Faktor minus eins. Bei 1,10 sind das 10 Prozent der Auszahlung. Für den Jahressatz müssen Sie die Laufzeit und die Ratenzahlung berücksichtigen, denn die Restschuld sinkt mit jeder Rate. Bei gleichen Monatsraten über zwölf Monate ergibt Faktor 1,10 etwa 19,5 Prozent, über 24 Monate etwa 9,7 Prozent.
Ist ein niedriger Faktor immer günstiger?
Nein. Ein niedrigerer Faktor mit sehr kurzer Laufzeit kann einen höheren Jahressatz haben als ein höherer Faktor mit langer Laufzeit. Vergleichen Sie immer Auszahlung, Gesamtrückzahlung und Laufzeit zusammen und rechnen Sie auf einen Jahressatz um, bevor Sie entscheiden.
Gelten Verbraucherschutzregeln für Existenzgründer?
Teilweise. Nach § 513 BGB gelten die Vorschriften zum Verbraucherdarlehen auch für natürliche Personen, die ein Darlehen für die Aufnahme einer gewerblichen oder selbstständigen Tätigkeit nehmen, aber nur bis zu einem Nettodarlehensbetrag von 75.000 Euro. Darüber greifen sie nicht. Ob das auf Sie zutrifft, klärt im Zweifel eine Rechtsberatung.
Wo sehe ich bei Vionor, was der Kredit kostet?
Die Konditionen stehen im Angebot des Finanzierungspartners, nicht in der Anfrage. Die Anfrage bei Vionor ist kostenlos und unverbindlich. Erst das Angebot nennt Auszahlung, Raten und Gesamtrückzahlung. Prüfen Sie es mit den Schritten in diesem Ratgeber, bevor Sie zustimmen.
Quellen
- Gesetze im Internet: § 1 PAngV (Preisangabenverordnung), Anwendungsbereich(www.gesetze-im-internet.de)
- Gesetze im Internet: § 16 PAngV, Verbraucherdarlehen(www.gesetze-im-internet.de)
- Gesetze im Internet: § 491 BGB, Verbraucherdarlehensvertrag(www.gesetze-im-internet.de)
- Gesetze im Internet: § 513 BGB, Existenzgründer(www.gesetze-im-internet.de)
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