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Alternativen zum Kredit

Echtes und unechtes Factoring: Wer das Ausfallrisiko trägt

Echtes Factoring einfach erklärt: wer bei Zahlungsausfall haftet, was Delkredere bedeutet, wo die Grenzen liegen und wann unechtes Factoring passt.

Veröffentlicht am 4. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Beim echten Factoring kauft der Factor Ihre Forderungen und übernimmt das Ausfallrisiko, wenn Ihr Kunde nicht zahlen kann. Beim unechten Factoring erhalten Sie zwar vorab Geld, das Ausfallrisiko bleibt aber bei Ihnen: Zahlt der Kunde nicht, holt sich der Factor den Betrag bei Ihnen zurück. Die Risikoübernahme heißt Delkredere und gilt nur im vereinbarten Limit. Für den Bestand der Forderung haften Sie in beiden Varianten selbst.

Das Wichtigste

  • Echtes Factoring ist ein Forderungsverkauf mit Übernahme des Ausfallrisikos durch den Factor, unechtes Factoring ein Vorschuss mit Rückgriff auf Sie.
  • Das Kreditwesengesetz beschreibt Factoring als laufenden Ankauf von Forderungen auf Grundlage von Rahmenverträgen mit oder ohne Rückgriff.
  • Der Ausfallschutz gilt nur für Kunden innerhalb des vereinbarten Limits und nur für unbestrittene Forderungen.
  • Für Mängel, Gutschriften oder nicht bestehende Forderungen haften Sie auch beim echten Factoring selbst.
  • Ein Abtretungsverbot in den Bedingungen Ihres Kunden hindert den Verkauf unter Kaufleuten in der Regel nicht.

Was ist echtes Factoring?

Echtes Factoring ist der Verkauf Ihrer Forderungen an einen Factor, der dabei das Risiko übernimmt, dass Ihr Kunde nicht zahlt. Ein Factor ist ein Finanzdienstleister, der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ankauft. Sie erhalten einen großen Teil des Rechnungsbetrags kurz nach Rechnungsstellung, der Kunde zahlt später an den Factor. Fällt der Kunde wegen Zahlungsunfähigkeit aus, trägt der Factor den Verlust.

Rechtlich beruht Factoring auf der Abtretung nach § 398 BGB: Sie übertragen die Forderung durch Vertrag auf den Factor, der damit neuer Gläubiger wird. Das Kreditwesengesetz beschreibt Factoring als den laufenden Ankauf von Forderungen auf der Grundlage von Rahmenverträgen mit oder ohne Rückgriff. Mit Rückgriff bedeutet: Der Factor kann sich bei Ihnen schadlos halten. Ohne Rückgriff ist genau das echte Factoring.

Die Übernahme des Ausfallrisikos heißt Delkredere. Nach Darstellung des Deutschen Factoring-Verbands prüft der Factor vor Vertragsabschluss und fortlaufend die Bonität Ihrer Abnehmer und übernimmt im Rahmen eines vereinbarten Limits das volle Ausfallrisiko. Der Verband weist außerdem darauf hin, dass in Deutschland fast ausnahmslos echtes Factoring praktiziert wird.

Ob Factoring grundsätzlich besser zu Ihrem Betrieb passt als ein Kredit, behandelt der Ratgeber Factoring oder Kredit. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Frage, wer welches Risiko trägt.

Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?

Der Unterschied liegt allein beim Ausfallrisiko. Beim echten Factoring trägt es der Factor, beim unechten Factoring bleibt es bei Ihnen. Der Factoring-Verband definiert unechtes Factoring entsprechend als Verfahren ohne Übernahme des Ausfallrisikos. Wirtschaftlich ähnelt unechtes Factoring damit einem kurzfristigen Kredit, der durch Ihre Forderungen besichert ist.

Die Folgen zeigen sich bei einem Zahlungsausfall. Beim echten Factoring behalten Sie den erhaltenen Betrag, soweit die Forderung im Limit lag und unbestritten war. Beim unechten Factoring belastet Sie der Factor zurück, Sie müssen den Vorschuss also aus eigenen Mitteln zurückzahlen. Genau in dem Moment, in dem ein großer Kunde ausfällt, fehlt Ihnen dann zusätzlich Geld.

Auch in der Bilanz kann sich der Unterschied zeigen. Nach Darstellung des Factoring-Verbands verkürzt der Verkauf von Forderungen die Bilanz. Bei unechtem Factoring bleibt das Risiko bei Ihnen, was für die bilanzielle Behandlung eine Rolle spielt. Wie Ihr konkreter Vertrag im Jahresabschluss abzubilden ist, klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.

Echtes und unechtes Factoring im Vergleich
MerkmalEchtes FactoringUnechtes Factoring
Ausfallrisiko des Kundenträgt der Factor im Limitbleibt beim Unternehmen
Rückgriff bei Zahlungsunfähigkeit des Kundennein, soweit im Limitja, Rückbelastung
Haftung für Bestand der Forderungbeim Unternehmenbeim Unternehmen
Bonitätsprüfung der Kundenlaufend durch den Factorje nach Vertrag
Wirtschaftlicher CharakterForderungsverkaufkreditähnliche Vorfinanzierung
Verbreitung in DeutschlandRegelfall laut Factoring-Verbandselten

Welches Risiko bleibt auch beim echten Factoring bei Ihnen?

Auch beim echten Factoring bleibt das Veritätsrisiko bei Ihnen. Verität bedeutet, dass die Forderung tatsächlich und in voller Höhe besteht und keine Einwände dagegen bestehen. Das Delkredere deckt dagegen nur das Bonitätsrisiko, also das Risiko, dass ein Kunde zahlen will, aber nicht kann. Ein Kunde, der wegen eines Mangels nicht zahlt, ist kein Delkrederefall.

Typische Veritätsfälle sind Reklamationen, Mängelrügen, Gutschriften, Skontoabzüge oder doppelt gestellte Rechnungen. In solchen Fällen sehen Factoringverträge üblicherweise vor, dass der Factor den betroffenen Betrag zurückbelastet. Für Betriebe mit vielen Reklamationen oder Abnahmen nach Baufortschritt ist das ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung.

Außerdem gilt der Schutz nur innerhalb des Limits, das der Factor je Kunde festlegt. Liegen Ihre offenen Rechnungen an einen Kunden darüber, ist der übersteigende Teil nicht abgesichert. Prüfen Sie deshalb, ob die Limits zu Ihren größten Kunden passen, bevor Sie sich auf den Ausfallschutz verlassen.

  • Gedeckt: Zahlungsunfähigkeit eines Kunden innerhalb des Limits
  • Nicht gedeckt: Forderungen über dem Kundenlimit
  • Nicht gedeckt: Mängelrügen, Minderungen und Reklamationen
  • Nicht gedeckt: Gutschriften, Skontoabzüge und Rechenfehler
  • Nicht gedeckt: Forderungen, die gar nicht oder nicht in dieser Höhe bestehen

Rechenbeispiel: Was passiert, wenn ein Kunde ausfällt?

Ein frei gewähltes Beispiel macht den Unterschied in Euro sichtbar. Ein Großhändler, für den lange Zahlungsziele typisch sind (mehr dazu unter Kredit für den Handel), verkauft eine Rechnung über 50.000 Euro mit 60 Tagen Zahlungsziel. Der Factor zahlt sofort 45.000 Euro aus und behält 5.000 Euro als Einbehalt, bis der Kunde gezahlt hat. Für Factoringgebühr und Finanzierung stellt er in diesem Beispiel zusammen 900 Euro in Rechnung.

Zahlt der Kunde pünktlich, erhält der Großhändler den Einbehalt von 5.000 Euro. Ihm bleiben in beiden Varianten 49.100 Euro, also 50.000 Euro abzüglich 900 Euro Kosten. Interessant wird es erst, wenn der Kunde zahlungsunfähig wird. Dann trennen sich die Wege deutlich.

Beim echten Factoring trägt der Factor den Ausfall, sofern die Forderung im Limit lag und unbestritten war. Der Großhändler behält die 45.000 Euro, wie der Einbehalt behandelt wird, regelt der Vertrag. Beim unechten Factoring muss er die 45.000 Euro zurückzahlen und trägt die Kosten trotzdem. Aus der Rechnung bleibt ihm dann nichts, zusätzlich trägt er 900 Euro Kosten.

Beispiel: Rechnung über 50.000 Euro, Kunde wird zahlungsunfähig (fiktive Beträge)
SchrittEchtes FactoringUnechtes Factoring
Sofortzahlung des Factors45.000 €45.000 €
Kosten laut Beispiel−900 €−900 €
Rückbelastung nach Ausfall0 €−45.000 €
Einbehaltnach Vertragentfällt
Ergebnis aus der Rechnungmindestens 44.100 €−900 €

Offenes, stilles Factoring und Abtretungsverbote: Was gilt?

Beim offenen Factoring erfährt Ihr Kunde vom Forderungsverkauf und zahlt direkt an den Factor. Beim stillen Factoring wird die Abtretung nicht offengelegt, der Kunde zahlt weiter an Sie. Das hat rechtliche Folgen: Nach § 407 BGB muss der neue Gläubiger eine Zahlung an den bisherigen Gläubiger gegen sich gelten lassen, wenn der Kunde die Abtretung nicht kennt. Sie leiten das Geld dann an den Factor weiter.

Viele große Kunden schließen in ihren Einkaufsbedingungen die Abtretung von Forderungen aus. Unter Kaufleuten ist eine Abtretung von Geldforderungen nach § 354a HGB trotzdem wirksam, wenn das Geschäft für beide Seiten ein Handelsgeschäft ist. Gleiches gilt, wenn der Schuldner eine juristische Person des öffentlichen Rechts ist. Der Kunde darf dann allerdings weiterhin mit befreiender Wirkung an Sie zahlen.

Für die Praxis bedeutet das: Ein Abtretungsverbot verhindert Factoring meist nicht, kann aber den Ablauf verändern. Klären Sie mit dem Factor, wie er mit solchen Kunden umgeht. Bei Unsicherheit über die Wirksamkeit im Einzelfall hilft eine Rechtsberatung.

Wie ordnet sich eine Anfrage über Vionor ein?

Vionor ist Kreditvermittler für Unternehmen und vergibt selbst keine Kredite. Über Vionor fragen Unternehmen Firmenkredite von 10.000 bis 500.000 Euro mit 6 bis 60 Monaten Laufzeit an, etwa einen Betriebsmittelkredit für die Zeit zwischen Leistung und Zahlungseingang. Factoringverträge vermittelt Vionor nicht. Die Anfrage ist kostenlos und unverbindlich und löst keine SCHUFA-Abfrage aus.

Ein Kredit kann eine Alternative sein, wenn Sie Ihre Kundenbeziehung nicht durch einen Factor berühren wollen oder Ihre Forderungen wegen vieler Reklamationen schlecht für Factoring geeignet sind. Über Zinsen, Zusage, Sicherheiten und Auszahlung entscheidet allein der Finanzierungspartner, der bei seiner Prüfung Auskünfte einholen kann.

Voraussetzung für eine Anfrage sind ein Sitz in Deutschland und mindestens sechs Monate Geschäftstätigkeit, jüngere Unternehmen können nicht anfragen. Als Orientierung gelten 50.000 Euro Jahresumsatz, darunter wird der Einzelfall geprüft. Wie Sie Außenstände unabhängig von der Finanzierung schneller hereinholen, zeigt der Ratgeber Forderungsmanagement.

Worauf Sie beim Factoringvertrag achten sollten

Der Name auf dem Vertrag sagt wenig, entscheidend sind die Regeln für den Ausfall. Lesen Sie deshalb die Abschnitte zu Delkredere, Limits, Rückbelastung und Einbehalt besonders genau. Prüfen Sie auch, welche Forderungen der Factor gar nicht ankauft, etwa Rechnungen an Privatkunden, an verbundene Unternehmen oder für noch nicht abgenommene Leistungen.

Rechnen Sie außerdem die Kosten über ein ganzes Jahr hoch. Der Factoring-Verband beschreibt, dass der Factor zwei Rechnungen stellt, eine für die Factoring-Gebühr und eine für die Finanzierung. Erst die Summe zeigt, was der Ausfallschutz und die frühere Zahlung Sie kosten. Wie sich Gebühren, Finanzierungsentgelt und Einbehalt im Detail zusammensetzen, erklärt der Ratgeber Factoring-Kosten.

  • Steht ausdrücklich im Vertrag, dass der Factor das Ausfallrisiko übernimmt?
  • Welche Limits gelten je Kunde, und decken sie Ihre größten Kunden ab?
  • Wann und in welchen Fällen belastet der Factor zurück?
  • Wie hoch ist der Einbehalt und wann wird er freigegeben?
  • Welche Forderungen sind vom Ankauf ausgeschlossen?
  • Wie lange läuft der Vertrag und wie wird er gekündigt?

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung automatisch auf unsere redaktionellen Regeln geprüft: keine Zinsversprechen, keine Zusagen, nur geprüfte Quellen. Allgemeine Orientierung. Eine individuelle betriebswirtschaftliche, rechtliche oder steuerliche Beratung kann dieser Ratgeber nicht ersetzen.

FAQ

Häufige Fragen

Was Unternehmen zu diesem Thema am häufigsten fragen, kurz beantwortet.

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Was bedeutet Delkredere beim Factoring?

Delkredere ist die Übernahme des Ausfallrisikos durch den Factor. Zahlt ein Kunde wegen Zahlungsunfähigkeit nicht, trägt der Factor den Verlust, soweit die Forderung im vereinbarten Limit lag. Für Mängel oder Reklamationen gilt das Delkredere nicht.

Ist unechtes Factoring ein Kredit?

Wirtschaftlich ähnelt es einem Kredit, weil das Ausfallrisiko bei Ihnen bleibt und der Factor bei Nichtzahlung zurückgreift. Rechtlich nennt das Kreditwesengesetz Factoring mit und ohne Rückgriff als Finanzdienstleistung. Die bilanzielle Behandlung klärt Ihre Steuerberatung.

Merkt mein Kunde, dass ich Factoring nutze?

Beim offenen Factoring ja, weil er an den Factor zahlt. Beim stillen Factoring wird die Abtretung nicht offengelegt und der Kunde zahlt weiter an Sie. Wann eine Offenlegung doch erfolgt, regelt der Vertrag.

Was ist das Veritätsrisiko?

Das Veritätsrisiko ist das Risiko, dass eine Forderung nicht oder nicht in voller Höhe besteht, etwa wegen Mängeln, Gutschriften oder Fehlern in der Rechnung. Dieses Risiko trägt auch beim echten Factoring das verkaufende Unternehmen.

Kann ich trotz Abtretungsverbot meines Kunden Factoring nutzen?

Unter Kaufleuten in der Regel ja. Nach § 354a HGB ist die Abtretung einer Geldforderung trotz vereinbartem Verbot wirksam, wenn das Geschäft für beide Seiten ein Handelsgeschäft ist. Der Kunde darf allerdings weiterhin mit befreiender Wirkung an Sie zahlen.

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