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Kosten und Angebote

Bearbeitungsgebühr beim Firmenkredit: Zulässig oder nicht?

Ist eine Bearbeitungsgebühr beim Firmenkredit erlaubt? Was der BGH entschieden hat, welche Gebühren zulässig bleiben und wie Sie sie im Angebot finden.

Veröffentlicht am 3. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Eine vorformulierte, laufzeitunabhängige Bearbeitungsgebühr in einem Firmenkredit einer Bank ist nach dem Bundesgerichtshof unwirksam: Er hat 2017 entschieden, dass solche Klauseln auch Unternehmer unangemessen benachteiligen. Zulässig bleiben Zinsen, echte Einzelvereinbarungen und Entgelte für gesondert vereinbarte Leistungen. Prüfen Sie deshalb im Angebot, wie jede Gebühr bezeichnet ist und ob sie die Auszahlung mindert.

Das Wichtigste

  • Der Bundesgerichtshof hat 2017 formularmäßige, laufzeitunabhängige Bearbeitungsentgelte in Unternehmerdarlehen für unwirksam erklärt.
  • Entscheidend ist, ob die Gebühr in Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht oder im Einzelnen ausgehandelt wurde.
  • Neben der Bearbeitungsgebühr gibt es weitere Entgelte wie Bereitstellungsprovision, Sicherheitenkosten oder Vermittlervergütung, die anders zu beurteilen sind.
  • Rückforderungsansprüche verjähren; ob eine alte Gebühr noch zurückgefordert werden kann, klärt eine Rechtsberatung.
  • Vergleichen Sie Angebote immer über die Gesamtkosten in Euro und den tatsächlich ausgezahlten Betrag.

Ist eine Bearbeitungsgebühr beim Firmenkredit zulässig?

Eine von der Bank vorformulierte Bearbeitungsgebühr, die unabhängig von der Laufzeit anfällt, ist auch beim Firmenkredit in der Regel unwirksam. Das hat der Bundesgerichtshof am 4. Juli 2017 in den Verfahren XI ZR 562/15 und XI ZR 233/16 entschieden. Die Klauseln stammten aus Darlehensverträgen zwischen Kreditinstituten und Unternehmern. Der Senat stufte sie als Preisnebenabreden ein, die der Inhaltskontrolle nach § 307 BGB unterliegen.

Nach § 307 BGB sind Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen unwirksam, wenn sie den Vertragspartner unangemessen benachteiligen. Das wird im Zweifel angenommen, wenn eine Klausel mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung nicht vereinbar ist. Genau das sah der Bundesgerichtshof bei laufzeitunabhängigen Bearbeitungsentgelten. Der gesetzliche Preis für ein Darlehen ist nach § 488 BGB der Zins.

Bemerkenswert ist die Begründung zu Unternehmern. Die Banken hatten auf Handelsbrauch, steuerliche Vorteile und die Verhandlungsmacht von Unternehmern verwiesen. Der Bundesgerichtshof ließ das nicht gelten: Der Schutz vor einseitiger Gestaltungsmacht gilt auch für informierte und erfahrene Unternehmer. Damit übertrug er seine Linie aus dem Verbraucherbereich auf Firmenkredite.

Was hat der BGH zuvor für Verbraucher entschieden?

Für Verbraucherdarlehen hatte der Bundesgerichtshof bereits am 13. Mai 2014 entschieden, dass vorformulierte Bearbeitungsentgelte unwirksam sind. Die Begründung ist dieselbe: Mit dem Entgelt werden Kosten für Tätigkeiten abgewälzt, die die Bank im eigenen Interesse erbringt. Dazu zählt der Senat ausdrücklich die Bearbeitung des Antrags und die Prüfung der Bonität.

Wichtig ist ein Detail aus dieser Entscheidung. Die Bank hatte den Betrag des Entgelts für jeden Vertrag ausgerechnet und in ein Leerfeld des Formulars eingesetzt. Auch das reichte für eine vorformulierte Bestimmung, weil die Regel dahinter für viele Verträge galt. Ein individuell eingesetzter Betrag macht eine Gebühr also nicht automatisch zu einer ausgehandelten.

Für Gründerinnen und Gründer gilt eine Besonderheit. Nach § 513 BGB gelten die Vorschriften zum Verbraucherdarlehen auch für natürliche Personen, die ein Darlehen für die Aufnahme einer gewerblichen oder selbstständigen Tätigkeit aufnehmen. Das gilt nur, solange der Nettodarlehensbetrag 75.000 Euro nicht übersteigt. Welche Regeln im Einzelfall greifen, sollte eine Rechtsberatung prüfen.

Wann darf eine Gebühr im Kreditvertrag trotzdem stehen?

Eine Gebühr kann zulässig sein, wenn sie im Einzelnen ausgehandelt wurde oder eine gesonderte Leistung vergütet. Nach § 305 BGB liegen keine Allgemeinen Geschäftsbedingungen vor, soweit Vertragsbedingungen zwischen den Parteien im Einzelnen ausgehandelt sind. Dann greift die Inhaltskontrolle nach § 307 BGB in dieser Form nicht. Ob wirklich verhandelt wurde, ist eine Frage des Einzelfalls und wird im Streit genau geprüft.

Zulässig sein können außerdem Entgelte für Leistungen, die über die bloße Kreditvergabe hinausgehen. Beispiele sind Kosten für die Bestellung von Sicherheiten beim Notar oder eine Provision dafür, dass ein Kreditbetrag über längere Zeit abrufbereit gehalten wird. Auch eine Bürgschaftsbank berechnet für ihre Bürgschaft eigene Entgelte. Solche Posten betreffen eine eigene Leistung, oft eines Dritten, und sind von einem pauschalen Bearbeitungsentgelt zu unterscheiden.

Für Sie heißt das: Nicht jede Gebühr im Angebot ist unzulässig, aber jede Gebühr braucht eine klare Grundlage. Fragen Sie nach, wofür ein Betrag gezahlt wird und ob er verhandelbar ist. Eine Antwort, die nur auf allgemeinen Aufwand verweist, ist ein Hinweis auf ein klassisches Bearbeitungsentgelt.

Welche Gebühren können bei einem Firmenkredit anfallen?

Bei einem Firmenkredit können neben dem Zins mehrere Entgelte anfallen, die rechtlich unterschiedlich zu beurteilen sind. Die folgende Übersicht ordnet die häufigsten Posten ein. Sie ersetzt keine rechtliche Prüfung, hilft aber, Fragen an den Finanzierungspartner gezielt zu stellen. Achten Sie besonders auf Beträge, die vom Auszahlungsbetrag abgezogen werden.

Auch die Vergütung eines Vermittlers gehört in diese Prüfung. Für Verbraucher regelt § 655c BGB, dass eine Vermittlervergütung erst geschuldet ist, wenn das Darlehen ausgezahlt wurde. Für Firmenkredite gilt diese Vorschrift nicht unmittelbar, deshalb kommt es auf den Vertrag an. Wie seriöse Vermittler arbeiten, erklärt der Beitrag Kreditvermittler oder Bank.

Häufige Entgelte beim Firmenkredit und ihre Einordnung
EntgeltWofürEinordnung
BearbeitungsgebührAntragsprüfung, Bonitätsprüfung, VertragserstellungAls vorformulierte, laufzeitunabhängige Klausel nach BGH unwirksam
ZinsÜberlassung des Kapitals über die LaufzeitGesetzlicher Preis des Darlehens nach § 488 BGB
BereitstellungsprovisionAbrufbereites Halten nicht ausgezahlter BeträgeGesondert vereinbartes Entgelt, Höhe und Beginn prüfen
Kosten für SicherheitenNotar, Grundbuch, BewertungFallen für eine eigene Leistung an, oft bei Dritten
BürgschaftsentgeltBürgschaft einer BürgschaftsbankEigenes Entgelt der Bürgschaftsbank
VermittlervergütungSuche und Vermittlung eines AngebotsVertragsfrage; Vorkasse vor Auszahlung ist ein Warnsignal

Rechenbeispiel: Wie verändert eine Gebühr den Vergleich?

Ein Beispiel mit frei gewählten Beträgen zeigt, warum Sie Angebote nie allein nach der Rate vergleichen sollten. Ein Betrieb benötigt 50.000 Euro für 36 Monate. Angebot A nennt Zinsen von insgesamt 6.000 Euro über die Laufzeit und keine Gebühr. Angebot B nennt Zinsen von insgesamt 5.400 Euro, zieht aber eine Bearbeitungsgebühr von 1.000 Euro von der Auszahlung ab.

Auf den ersten Blick wirkt Angebot B günstiger, weil die Zinsen niedriger sind. Tatsächlich kostet es insgesamt 6.400 Euro und damit 400 Euro mehr als Angebot A. Außerdem erhält der Betrieb nur 49.000 Euro, muss aber 50.000 Euro zurückzahlen. Wer genau 50.000 Euro braucht, müsste bei B einen höheren Betrag aufnehmen.

Rechnen Sie deshalb immer zwei Werte aus: die Gesamtkosten in Euro und den Betrag, der tatsächlich auf Ihrem Konto ankommt. Wie Sie mehrere Angebote nebeneinanderlegen, zeigt der Beitrag Kreditangebote vergleichen. Was ein effektiver Jahreszins beim Firmenkredit leistet und was nicht, steht unter Effektivzins beim Firmenkredit.

Beispielvergleich mit frei gewählten Beträgen, ohne Zinssätze
PostenAngebot AAngebot B
Kreditbetrag50.000 Euro50.000 Euro
Zinsen über die Laufzeit6.000 Euro5.400 Euro
Bearbeitungsgebühr0 Euro1.000 Euro
Gesamtkosten6.000 Euro6.400 Euro
Ausgezahlter Betrag50.000 Euro49.000 Euro

Kann ich eine gezahlte Bearbeitungsgebühr zurückfordern?

Eine unwirksam vereinbarte Bearbeitungsgebühr kann grundsätzlich zurückgefordert werden, solange der Anspruch nicht verjährt ist. Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt nach § 195 BGB drei Jahre. Sie beginnt nach § 199 BGB mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den Umständen Kenntnis erlangt hat oder hätte erlangen müssen.

Für alte Verträge gibt es zwei Grenzen. Nach dem Bundesgerichtshof war auch Unternehmern eine Klage auf Rückforderung bereits mit Ablauf des Jahres 2011 zumutbar, die Dreijahresfrist lief also ab diesem Zeitpunkt. Unabhängig von der Kenntnis verjährt der Anspruch nach § 199 Abs. 4 BGB spätestens zehn Jahre nach seiner Entstehung. Bei Gebühren, die vor mehr als zehn Jahren gezahlt wurden, kann die Bank deshalb die Verjährung einwenden.

Ob ein Anspruch besteht und wie hoch er ist, hängt vom konkreten Vertrag ab. Legen Sie Vertrag, Konditionenblatt und Kontoauszug mit der Auszahlung bereit. Eine Rechtsberatung kann dann einschätzen, ob die Klausel vorformuliert war und ob die Frist noch läuft.

Wie ordnet sich eine Anfrage über Vionor ein?

Die Anfrage über Vionor ist kostenlos und unverbindlich. Vionor ist ein Kreditvermittler für Unternehmen und vergibt selbst keine Kredite. Über Vionor fragen Unternehmen einen Firmenkredit von 10.000 bis 500.000 Euro mit 6 bis 60 Monaten Laufzeit an. Die Anfrage löst bei Vionor keine SCHUFA-Abfrage aus; der Finanzierungspartner kann bei seiner Prüfung Auskünfte einholen.

Voraussetzung sind ein Sitz in Deutschland und mindestens sechs Monate Geschäftstätigkeit. Als Orientierung gelten 50.000 Euro Jahresumsatz; liegt der Umsatz darunter, wird der Einzelfall geprüft. Zins, Gebühren, Sicherheiten und Zusage legt allein der Finanzierungspartner fest. Für die weitere Bearbeitung eines Antrags unterschreiben Kunden eine Provisionsvereinbarung, die die Vergütung von Vionor regelt. Lesen Sie sie und jedes Kreditangebot mit derselben Sorgfalt wie oben beschrieben.

Worauf Sie im Kreditangebot achten sollten

Gebühren verstecken sich selten, sie tragen aber oft unauffällige Namen. Lesen Sie deshalb das Konditionenblatt vollständig und nicht nur die Zeile mit der Rate. Halten Sie jede Abweichung zwischen Kreditbetrag und Auszahlungsbetrag schriftlich fest. Eine ausführliche Prüfliste bietet der Leitfaden Kreditangebot prüfen.

Nicht jede Gebühr ist dabei unzulässig. Bereitstellung, Sicherheiten, Bürgschaften und Vermittlung können eigene, wirksame Entgelte auslösen. Entscheidend ist Transparenz: Jede Gebühr braucht eine Bezeichnung, einen Grund und einen Betrag, den Sie vor der Unterschrift kennen.

Wer Gesamtkosten und Auszahlungsbetrag nebeneinanderlegt, erkennt das günstigere Angebot zuverlässig. Bestehen Zweifel, ob eine Klausel wirksam ist, hilft eine Rechtsberatung vor der Unterschrift. Das ist einfacher, als eine gezahlte Gebühr später zurückzufordern.

  • Jede Gebühr mit Bezeichnung, Betrag und Fälligkeit auflisten
  • Prüfen, ob eine Gebühr von der Auszahlung abgezogen wird
  • Nachfragen, wofür die Gebühr konkret gezahlt wird
  • Klären, ob die Gebühr laufzeitabhängig oder einmalig ist
  • Gesamtkosten in Euro und ausgezahlten Betrag je Angebot vergleichen
  • Vorauszahlungen an Vermittler vor der Auszahlung ablehnen

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung automatisch auf unsere redaktionellen Regeln geprüft: keine Zinsversprechen, keine Zusagen, nur geprüfte Quellen. Allgemeine Orientierung. Eine individuelle betriebswirtschaftliche, rechtliche oder steuerliche Beratung kann dieser Ratgeber nicht ersetzen.

FAQ

Häufige Fragen

Was Unternehmen zu diesem Thema am häufigsten fragen, kurz beantwortet.

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Darf eine Bank beim Firmenkredit eine Bearbeitungsgebühr verlangen?

Als vorformulierte, laufzeitunabhängige Klausel in der Regel nicht. Der Bundesgerichtshof hat solche Klauseln 2017 auch für Unternehmerdarlehen für unwirksam erklärt. Zulässig sein können ausgehandelte Vereinbarungen und Entgelte für gesonderte Leistungen.

Gilt das BGH-Urteil zu Bearbeitungsgebühren auch für Selbstständige?

Ja, die Entscheidung von 2017 betraf Darlehen an Unternehmer im Sinne von § 14 BGB. Dazu gehören Gewerbetreibende ebenso wie Selbstständige und Freiberufler, die den Kredit für ihre berufliche Tätigkeit aufnehmen. Maßgeblich ist der konkrete Vertrag.

Ist eine Bereitstellungsprovision dasselbe wie eine Bearbeitungsgebühr?

Nein. Eine Bereitstellungsprovision vergütet, dass ein nicht abgerufener Kreditbetrag abrufbereit gehalten wird, und hängt meist von Zeit und Betrag ab. Sie wird rechtlich anders eingeordnet als ein pauschales Bearbeitungsentgelt. Prüfen Sie Höhe und Beginn im Angebot.

Wie lange kann ich eine Bearbeitungsgebühr zurückfordern?

Es gilt die regelmäßige Verjährung von drei Jahren ab Ende des Jahres, in dem Anspruch und Kenntnis vorlagen. Unabhängig davon ist nach zehn Jahren ab Entstehung des Anspruchs Schluss. Ob ein Anspruch noch durchsetzbar ist, klärt eine Rechtsberatung.

Darf ein Kreditvermittler Geld vor der Auszahlung verlangen?

Für Verbraucher entsteht der Anspruch auf Vermittlervergütung erst mit Auszahlung des Darlehens. Bei Firmenkrediten regelt das der Vertrag. Die BaFin warnt vor Anbietern, die Gebühren verlangen, bevor ein Darlehen gewährt wurde.

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