Alternativen zum Kredit
Lieferantenkredit: Die unterschätzte Finanzierung im Einkauf
Lieferantenkredit erklärt: warum das Zahlungsziel eine Finanzierung ist, was verschenkter Skonto im Jahr kostet und wie Sie Ihren Lieferantenkredit messen.
Veröffentlicht am 3. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit
Kurz beantwortet
Ein Lieferantenkredit ist die Finanzierung, die ein Lieferant Ihnen gewährt, indem er Ware liefert und Ihnen ein Zahlungsziel einräumt. Sie nutzen die Ware, bevor Sie sie bezahlen. Kostenlos ist das nur ohne Skonto: Wer den angebotenen Skonto verschenkt, bezahlt das längere Ziel mit dem entgangenen Nachlass. Im Rechenbeispiel unten sind das bei 400.000 Euro Einkauf 8.000 Euro im Jahr.
Das Wichtigste
- Jedes Zahlungsziel ist ein Kredit des Lieferanten, auch wenn kein Darlehensvertrag unterschrieben wird.
- Die Kosten stecken im verschenkten Skonto oder im Preis, nicht in einer Zinszeile.
- Über ein Jahr gerechnet kann verschenkter Skonto mehr kosten als eine Finanzierung desselben Betrags.
- Die Kreditorenlaufzeit zeigt, wie viele Tage Lieferanten Ihr Geschäft tatsächlich mitfinanzieren.
- Der Lieferant sichert sich meist über einen Eigentumsvorbehalt und ein Kreditlimit ab, das von Ihrer Bonität abhängt.
Was ist ein Lieferantenkredit?
Ein Lieferantenkredit ist ein Zahlungsaufschub, den ein Lieferant seinem gewerblichen Kunden gewährt: Die Ware kommt sofort, die Zahlung erst nach einer vereinbarten Frist. Man spricht auch von Handelskredit oder Warenkredit. Rechtlich ist es meist ein Kaufvertrag mit späterer Fälligkeit und kein Darlehen. Wirtschaftlich wirkt es aber genau wie ein kurzer Kredit über den Rechnungsbetrag.
Unterschätzt wird der Lieferantenkredit, weil er sich nicht wie eine Finanzierung anfühlt. Es gibt keinen Antrag, keine Rate und keinen Vertrag mit einer Bank. Trotzdem finanzieren Lieferanten bei vielen Händlern und Handwerksbetrieben einen großen Teil des Wareneinkaufs. Fällt diese Finanzierung weg, etwa weil ein Lieferant auf Vorkasse umstellt, fehlt das Geld von einem Tag auf den anderen.
Dieser Ratgeber erklärt den Lieferantenkredit als Finanzierungsform: welche Varianten es gibt, wie Sie seinen Umfang messen und was er im Jahr kostet. Die Frage, wann sich ein Firmenkredit statt des Zahlungsziels lohnt, behandelt der Ratgeber B2B-Kredit. Wie Sie bessere Ziele aushandeln, steht im Ratgeber Zahlungsziele verhandeln.
Welche Formen des Lieferantenkredits gibt es?
Die häufigste Form ist das einfache Zahlungsziel auf der Rechnung, oft kombiniert mit einem Skonto für frühe Zahlung. Daneben gibt es Varianten, die stärker wie eine echte Finanzierung wirken. Bei Saisonware vereinbaren manche Lieferanten eine Valuta, also ein Zahlungsziel, das erst nach der Verkaufssaison endet. So bezahlen Sie die Ware erst, wenn sie zu einem guten Teil verkauft ist.
Eine weitere Form ist das Lieferantendarlehen. Hier überlässt der Lieferant seinem Abnehmer tatsächlich Geld, etwa für eine Ausstattung, und bindet ihn dafür vertraglich an seine Produkte. Das ist ein Darlehen im Sinne des § 488 BGB mit eigener Rückzahlung. Prüfen Sie bei solchen Verträgen besonders, wie lange die Bindung läuft und was bei vorzeitiger Beendigung gilt.
Die folgende Übersicht zeigt die Formen im Vergleich. Sie hilft, die eigenen Lieferbeziehungen als Teil der Finanzierung zu sehen.
| Form | Wie es funktioniert | Worauf achten |
|---|---|---|
| Zahlungsziel ohne Skonto | Zahlung nach z. B. 30 Tagen zum vollen Preis | Kosten können im Preis stecken |
| Zahlungsziel mit Skonto | Nachlass bei früher Zahlung, sonst voller Betrag | Verschenkter Skonto ist der Preis des Ziels |
| Valuta bei Saisonware | Zahlung erst nach der Verkaufssaison | Ware muss bis dahin verkauft sein |
| Lieferantendarlehen | Lieferant gibt Geld gegen Bezugsbindung | Laufzeit der Bindung und Ausstiegsregeln |
Was kostet ein Lieferantenkredit, wenn Sie Skonto verschenken?
Ein Lieferantenkredit kostet genau den Skonto, den Sie nicht ziehen. Auf eine einzelne Rechnung bezogen wirkt der Betrag klein. Sichtbar wird er erst, wenn Sie ihn über alle Einkäufe eines Jahres addieren. Ein Rechenbeispiel mit runden Zahlen zeigt die Größenordnung.
Ein Großhändler kauft im Jahr Ware für 400.000 Euro ein. Seine Lieferanten bieten 2 Prozent Skonto bei Zahlung binnen 10 Tagen, sonst ist der volle Betrag nach 30 Tagen fällig. Zahlt er immer erst am 30. Tag, verschenkt er im Jahr 8.000 Euro. Dafür behält er sein Geld jeweils 20 Tage länger.
Wie viel Geld ist das im Durchschnitt? Pro Tag kauft er für rund 1.096 Euro ein. Über 20 Tage sind das rund 22.000 Euro, die er dank des längeren Ziels dauerhaft mehr auf dem Konto hat. Er bezahlt also 8.000 Euro im Jahr dafür, rund 22.000 Euro zusätzliche Liquidität zu halten.
Diese Zahl ist der Maßstab für jede Alternative. Kostet eine Kreditlinie über 22.000 Euro im Jahr deutlich weniger als 8.000 Euro, ist es günstiger, den Skonto zu ziehen und die Linie zu nutzen. Die genaue Rechnung mit Gebühren und Grenzen zeigt der Ratgeber Skonto mit Kredit finanzieren.
Wie messen Sie, wie viel Lieferantenkredit Sie nutzen?
Wie viel Lieferantenkredit Sie nutzen, zeigt der Bilanzposten Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Ihn sieht die Gliederung der Bilanz nach § 266 HGB ausdrücklich vor. Er enthält alle Rechnungen, die Sie zum Stichtag erhalten, aber noch nicht bezahlt haben. In der Buchhaltung finden Sie den aktuellen Stand jederzeit in der Offene-Posten-Liste der Kreditoren.
Aussagekräftiger als der Betrag ist die Kreditorenlaufzeit. Sie gibt an, nach wie vielen Tagen Sie Lieferantenrechnungen im Durchschnitt bezahlen. Sie berechnen sie, indem Sie die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen durch den Wareneinkauf des Jahres teilen und mit 365 multiplizieren. Im Beispiel ergeben 50.000 Euro offene Rechnungen bei 400.000 Euro Einkauf rund 46 Tage.
Liegt dieser Wert deutlich über den vereinbarten Zahlungszielen, zahlen Sie im Schnitt zu spät. Bei 30 Tagen Ziel und 46 Tagen Laufzeit sind es rund 16 Tage Überschreitung. Nach § 286 BGB kommen Sie mit einer Mahnung oder bei einem kalendermäßig bestimmten Zahlungstermin sofort in Verzug, nach Absatz 3 spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Rechnungszugang. Dann drohen gesetzliche Verzugszinsen nach § 288 BGB und eine Pauschale von 40 Euro je Forderung.
Auch Finanzierungspartner und Auskunfteien beobachten das Zahlungsverhalten. Regelmäßige Überschreitungen können als Hinweis auf knappe Liquidität gelesen werden. Wie Ihre Bonität entsteht und was sie beeinflusst, erklärt der Ratgeber Bonität eines Unternehmens.
Wie sichert sich der Lieferant ab?
Der Lieferant sichert seinen Kredit vor allem über einen Eigentumsvorbehalt und über ein Kreditlimit ab. Nach § 449 BGB kann der Verkäufer vereinbaren, dass das Eigentum an der Ware erst mit vollständiger Zahlung übergeht. Bis dahin gehört die Ware ihm, auch wenn sie schon in Ihrem Lager liegt. Das schränkt ein, wie gut sich diese Ware als Sicherheit für andere Kreditgeber eignet.
Das Kreditlimit legt fest, bis zu welchem Betrag offene Rechnungen aufgelaufen sein dürfen. Manche Lieferanten sichern ihre Forderungen zusätzlich über eine Versicherung ab, die das Limit für jeden Kunden anhand seiner Bonität festlegt. Verschlechtern sich Ihre Zahlen oder Ihr Zahlungsverhalten, kann das Limit sinken. Dann verlangt der Lieferant eine Anzahlung oder liefert nur noch gegen Vorkasse.
Auch die Länge des Zahlungsziels hat Grenzen. Nach § 271a BGB ist eine Vereinbarung, nach der der Gläubiger die Zahlung erst nach mehr als 60 Tagen verlangen kann, nur wirksam, wenn sie ausdrücklich getroffen wurde und nicht grob unbillig ist. Sehr lange Ziele müssen also bewusst im Vertrag stehen. Lassen Sie solche Klauseln im Zweifel rechtlich prüfen.
Häufige Fehler beim Lieferantenkredit
Der häufigste Fehler ist, den Lieferantenkredit als kostenlos zu behandeln und den Skonto aus Gewohnheit liegen zu lassen. Ein zweiter Fehler ist es, die Zahlungsziele ständig zu überziehen, weil das Konto knapp ist. Das kostet Verzugsfolgen und schwächt die Verhandlungsposition beim nächsten Einkauf.
Ein dritter Fehler ist die Abhängigkeit von einem einzigen großen Lieferanten. Kürzt er das Limit, fehlt ein großer Teil der Finanzierung auf einmal. Diese Schritte helfen, den Lieferantenkredit bewusst zu steuern:
- Verschenkten Skonto für das letzte Jahr in Euro zusammenrechnen
- Kreditorenlaufzeit quartalsweise berechnen und mit den vereinbarten Zielen vergleichen
- Kreditlimits der wichtigsten Lieferanten kennen und deren Auslastung beobachten
- Lange Zahlungsziele und Valuta schriftlich im Vertrag festhalten
- Eigentumsvorbehalte bei der Planung von Sicherheiten berücksichtigen
- Für den Fall gekürzter Limits eine alternative Finanzierung vorbereiten
Wie hilft eine Anfrage über Vionor, wenn der Lieferantenkredit nicht reicht?
Reicht der Lieferantenkredit nicht oder wollen Sie Skonto ziehen, kann ein Firmenkredit für den Wareneinkauf die Lücke schließen. Über Vionor fragen Unternehmen Beträge von 10.000 bis 500.000 Euro mit Laufzeiten von 6 bis 60 Monaten an. Details stehen auf der Seite Wareneinkauf finanzieren, Hinweise für Händler auf der Seite Kredit für Händler.
Vionor ist Kreditvermittler und vergibt selbst keine Kredite. Die Anfrage ist kostenlos und unverbindlich und löst bei Vionor keine SCHUFA-Abfrage aus. Ob ein Angebot kommt und zu welchen Bedingungen, entscheidet der Finanzierungspartner nach seiner Prüfung, bei der er Auskünfte einholen kann.
Voraussetzung sind ein Sitz in Deutschland und mindestens sechs Monate Geschäftstätigkeit, als Orientierung außerdem rund 50.000 Euro Jahresumsatz mit Einzelfallprüfung darunter. Nützlich sind Ihre Rechnung zum verschenkten Skonto und die Offene-Posten-Liste der Kreditoren, weil sie den Bedarf konkret belegen.
Fazit: Der Lieferantenkredit ist eine Finanzierung mit Preis
Der Lieferantenkredit ist für viele Betriebe die wichtigste kurzfristige Finanzierung, obwohl er nirgends als Kredit auftaucht. Sein Preis ist der verschenkte Skonto, sein Risiko die Abhängigkeit vom Limit des Lieferanten.
Wer Skonto und Kreditorenlaufzeit regelmäßig in Euro und Tagen ausrechnet, sieht, ob der Lieferantenkredit günstig ist oder teuer. Dann lässt sich entscheiden, ob das Zahlungsziel bleibt oder eine andere Finanzierung besser passt.
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung automatisch auf unsere redaktionellen Regeln geprüft: keine Zinsversprechen, keine Zusagen, nur geprüfte Quellen. Allgemeine Orientierung. Eine individuelle betriebswirtschaftliche, rechtliche oder steuerliche Beratung kann dieser Ratgeber nicht ersetzen.
FAQ
Häufige Fragen
Was Unternehmen zu diesem Thema am häufigsten fragen, kurz beantwortet.
Ihre Frage ist nicht dabei?
Schreiben Sie uns. Es antwortet die Person, die auch Ihre Anfrage bearbeitet.
E-Mail schreibenWas ist ein Lieferantenkredit einfach erklärt?
Ein Lieferantenkredit entsteht, wenn ein Lieferant Ihnen Ware liefert und die Bezahlung erst nach einer Frist verlangt. Sie nutzen die Ware also vor der Zahlung. Wirtschaftlich ist das ein kurzer Kredit über den Rechnungsbetrag.
Ist ein Lieferantenkredit kostenlos?
Nur wenn kein Skonto angeboten wird und der Preis nicht höher ist als bei sofortiger Zahlung. Bietet der Lieferant Skonto, ist der verschenkte Nachlass der Preis für das längere Zahlungsziel. Über ein Jahr kann das mehrere tausend Euro ausmachen.
Wie berechne ich die Kosten des Lieferantenkredits?
Addieren Sie den Skonto, den Sie im Jahr nicht gezogen haben. Stellen Sie dem gegenüber, wie viel zusätzliche Liquidität Sie dadurch im Durchschnitt halten. Im Beispiel kosten 8.000 Euro verschenkter Skonto rund 22.000 Euro dauerhaft mehr Liquidität.
Was ist der Unterschied zwischen Lieferantenkredit und Bankkredit?
Beim Bankkredit erhalten Sie Geld und zahlen es samt Kosten zurück. Beim Lieferantenkredit erhalten Sie Ware und zahlen später, die Kosten stecken im Skonto oder im Preis. Der Lieferantenkredit braucht keinen Antrag, hängt aber am Limit des Lieferanten.
Was passiert, wenn ich das Zahlungsziel überschreite?
Nach § 286 BGB kommen Sie mit einer Mahnung oder einem kalendermäßig bestimmten Termin sofort, sonst spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Rechnungszugang in Verzug. Dann kann der Lieferant gesetzliche Verzugszinsen und gegenüber Unternehmen eine Pauschale von 40 Euro verlangen. Häufige Überschreitungen können außerdem zu gekürzten Limits führen.
Quellen
- § 449 BGB: Eigentumsvorbehalt(www.gesetze-im-internet.de)
- § 271a BGB: Vereinbarungen über Zahlungs-, Überprüfungs- oder Abnahmefristen(www.gesetze-im-internet.de)
- § 286 BGB: Verzug des Schuldners(www.gesetze-im-internet.de)
- § 288 BGB: Verzugszinsen und sonstiger Verzugsschaden(www.gesetze-im-internet.de)
- § 266 HGB: Gliederung der Bilanz(www.gesetze-im-internet.de)
Die passende Finanzierung
Weiterlesen im Ratgeber
- Alternativen zum Kredit3. Oktober 20269 Min. Lesezeit
Mietkauf für Unternehmen: Ratenkauf mit Eigentum am Ende
Mietkauf für Unternehmen erklärt: Unterschied zu Leasing und Kredit, Bilanzierung beim Mietkäufer, Abschreibung und Beispielrechnung ohne Zinssatz.Weiterlesen - Alternativen zum Kredit3. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Revenue-based Financing: Finanzierung aus dem eigenen Umsatz
Revenue-based Financing erklärt: wie die Rückzahlung über einen Umsatzanteil läuft, für wen es passt und was es vom Ratenkredit unterscheidet.Weiterlesen - Alternativen zum Kredit2. Oktober 20266 Min. Lesezeit
Factoring oder Kredit: Was passt besser zu Ihrem Betrieb?
Factoring finanziert offene Rechnungen, ein Firmenkredit einen festen Betrag. So entscheiden Sie anhand von Kundenstruktur, Bedarf und Laufzeit.Weiterlesen
Ihre Finanzierung beginnt mit einer Anfrage.
Fünf Minuten, ohne Unterlagen. Sie erhalten eine persönliche Einschätzung zu Ihrem Vorhaben.
- Kostenlos und unverbindlich
- Anfrage ohne SCHUFA-Abfrage
- Rückmeldung in der Regel am nächsten Werktag